Grüße vom Vulkan Ijen

Momentan sind wir ganz im Osten der Insel Java in einer Stadt namens Banyuwangi. Die Stadt ist sehr lebendig und hat eine für mich sehr freudige Grundatmosphäre. Am ersten Tag saßen wir in einem Restaurant am Hafen und konnten uns zumindest etwas von den nächtlichen Aktivitäten der letzten Tage erholen. Die nächste aktive Nacht sollte auch schon am nächsten Morgen folgen.

Um 2:30 Uhr ging es mit 7 anderen Personen im Rahmen einer geführten Tour zum Vulkan Ijen. Der Ijen zählt zu den gefährlichsten und extremsten Vulkanen der Gegend. Er ist neben seinem übersäuerten See und traditionellem Schwefelabbau auch für sogenannte „blaue Flammen“ bekannt. Dieser Vulkan ist wie der Bromo auch auf Gefahrenlevel 2 eingestuft. Deswegen ist der direkte Abstieg zum Kratersee gesperrt. Nach 5 km Fußweg vom Basecamp, 500 Höhenmetern (!) und 1,5 Stunden waren wir erfolgreich zum Sonnenaufgang auf dem Vulkan.

Der Kratersee vom Ijen hat einen krass sauren pH-Wert von ~0,3-0.5 und gilt als der größte übersäuerte See der Welt. Baden will man darin nicht, nur einige Minenarbeiter gehen da rein (zu den traurigen Umständen folgt gleich mehr im Text). Am Vulkan tritt dauerhaft Schwefelgas aus, was u.a. zu Reizungen oder, bei längerem Kontakt, Verätzungen von Haut, Augen und Lunge führen kann. Ganz selten kommt auch schwarzer Rauch aus dem Krater, der zeitnah tödlich wirkt. Jedoch ist nicht ganz klar, welche Substanzen in dem Giftcocktail sind. Als Besucher haben wir eine gute Atemmaske bekommen. Je nachdem, wie der Wind steht, braucht man sie. Schwefel riecht nach verrotteten Eiern, also an sich ist es schon ein unangenehmer Geruch. Anbei ein Bild mit dem hellblauen Kratersee und der Stelle hinten links, wo das Schwefelgas austritt.

Am Vulkan wird auf traditionelle Art Schwefel abgebaut. Dafür wird das Schwefelgas – vereinfacht gesagt – mit Rohren aufgefangen, dann wird es flüssig (rotfarbig) und nach einiger Zeit fest (gelbfarbig). Die Minenarbeiter bewegen sich oftmals ohne Maske oder Schutzkleidung in den ätzenden Gasen. Stattdessen drücken sie ein feuchtes Tuch in den Mund. Wenn es schwer zugängliche Schwefelquellen gibt, gehen sie manchmal in den sauren See um auf ein Boot zu kommen – schreckliche Vorstellung. Auf dem Foto ist die größte Schwefelquelle dargestellt.

Eigentlich gibt es gar keine (technische) Notwendigkeit, dass am Ijen auf traditionelle Art Schwefel abgebaut wird. Wenn man den gehörten Worten glaubt, ist nur diese Art von Abbau erlaubt – warum auch immer. Für einige Touristen mag es ein Grund sein dort hinzugehen, mir persönlich reicht der Vulkan als solches. Der traditionelle Abbau bringt viele gesundheitliche Leiden mit sich. Viele Minenarbeiter sind innerlich und äußerlich verätzt, werden teilweise blind und erleiden früh Krebsleiden. Vor allem meinte der Guide, gibt es in nur wenigen Kilometer Entfernung eine moderne, automatisierte Schwefelmiene. Dort arbeiten insgesamt 3 Arbeiter. Unten ist ein Bild eingefügt, wie 2 Arbeiter abgebauten Schwefel über die Schulter den Krater hoch schleppen.

Die Minenarbeiter können überdurchschnittlich gut verdienen, was viele dahin bewegt. Die Bezahlung erfolgt taggenau und nach Gewicht. Für 1 kg gibt es aktuell 1.000 IDR, was erstmal wenig klingt. Pro „laufen“ schaffen sie 75-90kg den Krater hoch, was später in Säcke verpackt mit Rollwagen in das Basecamp geschaffen wird. Je nachdem, wie viele Tage sie dort sind, kann es monatlich zwischen 4-6 Millionen IDR geben. Der durchschnittliche Lohn hier in der Region sind 2 Millionen IDR.

Wenn dich der Abbau mehr interessiert, dann habe ich dir am Ende des Textes ein Video verlinkt. Einige Details wie der Lohn der Arbeiter sind beim 7-Jahre alten Video nicht mehr aktuell. Ausserdem fällt auch kein Wort dazu, dass nur diese Art des Abbaus wohl dort erlaubt sei. Prüfen konnte ich die Aussage leider nicht.

Der Ijen ist bekannt für „blaue Flammen“, welche eigentlich in der Dunkelheit brennender Schwefel sind. An der Luft entzündet sich das Gas selbstständig. Dieses Phänomen konnten wir nicht sehen, da der Weg zum Kratersee gesperrt war und man sowieso erst ab 4 Uhr (anstatt ab 2 Uhr) auf den Vulkan darf. Bis man auf dem Krater ist, ist es Sonnenaufgang und hell. Sicherheit geht vor und ich muss mich auch nicht im Schwefelgas aufhalten.

Alles in allem war der Ijen ein wundervoller Ausflug. Am nächsten Tag hatten wir eine vielseitige Tour vor uns, von der ich beim nächsten Mal berichte.

Mareike

P.S. Der Link zum Schwefelabbau am Ijen: https://youtu.be/vJuli9Txdpg

Kommentar verfassen

Nach oben scrollen
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner