Wir hatten einen vollen Tag in den Cameron Highlands, an dem wir eine Ganztagestour gebucht haben. Wir sind am 18.09 nachmittags angereist (~6 Stunden Busfahrt) und am 20.09 morgens nach Kuala Lumpur abgereist. Auf dem Tagesprogramm war vorgesehen: Blick über die Teeanbaugebiete, Teezenter mit Teefabrik, Orchideen- und Pflanzenpark, kleiner Zoo, lokaler Gemüsemarkt, Erdbeerfarm, Buddhatempel und Wandern im Mossy Forest. Im Artikel konzentriere ich mich auf Tee, Erdbeeren und den Mossy Forest.
Es war der erste trockene Tag in den Cameron Highlands seit 2 Wochen und wir konnten wunderschöne Aussichten in den Teeanbaugebieten genießen.
Die Cameron Highlands sind bekannt für den Teeanbau. Auf den Weltmarkt betrachtet ist Malaysia eher ein Nischenproduzent mit weniger als 10.000 Tonnen im Jahr. Es wird heutzutage nur Schwarzer Tee produziert, da die Arbeiter für das händische Pflücken fehlen (mehr steht dazu unten). Die meisten Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Plantagen kommen aus dem Ausland und erhalten zeitlich beschränkte Aufenthaltsgenehmigungen. Übrigens freuen sich die Arbeiter über Regen – sie werden nach Gewicht bezahlt.

Da wir einen Guide hatten und eine Teefabrik besucht haben, habe ich einiges über Tee und Teeanbau gelernt. Das möchte ich mit euch teilen.
Egal ob weißer, gelber, grüner, schwarzer Tee, Oolong und Pu-Er, die klassischen sechs Teesorten werden aus den Blättern und Knospen der Teepflanze Camellia Sinensis gewonnen. Die Teesorten unterscheiden sich durch die verwendeten Teile der Pflanze und der Verarbeitung.

Das soll hier keine ausführliche Ausarbeitung über Tee werden, deswegen kurz das Wichtigste zu den Teilen der Pflanze. Wenn du weißen Tee trinkst, dann wurde dafür die oberste feine Knospe verwendet. Für grünen Tee gibt es den Goldstandard „zwei Blätter und eine Knospe“. Dafür werden händisch die obersten, jungen zwei Blätter und die Knospe gepflückt. Innerhalb von 4 Stunden nach dem Pflücken muss der erste Verarbeitungsschritt stattfinden, sonst werden die Blätter braun. Schwarzer Spitzentee unterliegt auch dem Goldstandard, während bei „normalem“ Schwarztee auch das dritte und vierte Blatt (manchmal auch noch ältere Blätter) verwendet werden. Der Vorteil, wenn man die obersten Blätter gemeinsam erntet, ist, das dann Hilfmittel wie Teepflückgeräte und sogar große Sägen verwendet werden können. Das macht das Ernten effizienter. Beim Sägen muss eine entsprechende Nachsortierung stattfinden. Alle drei Wochen muss die Pflanze beschnitten werden, da sie sonst zu einem Baum wird. Somit ernten die Mitarbeiter alle 3 Wochen die selben Teepflanzen. Übrigens, die Pflanzen werden bis zu 150 Jahre alt.
Nach dem Ernten folgen 5 Prozessschritte, die je nach Teesorte variieren bzw. auch ausgelassen werden:
- Welken
- Brechen bzw. Rollen
- Oxidation
- Trocken
- Sortieren
Da wir bei der Schwarztee-Produktion waren, gehe ich vor allem auf Schwarzen Tee ein. In der Fabrik durfte ich leider keine Fotos machen.

Zunächst werden die gepflückten Teeblätter gewelkt – es wird das erste Mal der Wassergehalt reduziert. Es findet durch Einsatz von Wärme statt. Angestrebt wird eine Reduktion von 40-50% Wassergehalt. In der Fabrik fand der Schritt über Nacht statt.
Die gewelkten Blätter werden danach gerollt. Der Schritt ist dafür da, um das Blatt aufzubrechen und besser an die Zellsäfte heranzukommen. Eine Rollmaschine sieht so aus:

Nach dem Rollen werden die Teeblätter auf große Tabletts verteilt, damit sie oxidieren können (mit dem Luftsauerstoff reagieren). Inwieweit die Oxidation stattfindet unterscheidet sich zwischen verschiedenen Teesorten. Schwarztee ist voll oxidiert und bekommt seine schwarze Farbe sowie sein Aroma durch diesen Prozessschritt.
Nach der Oxidation werden die Teeblätter von den Tabletts auf ein Laufband gegeben. Dieses Laufband führt durch einen Ofen (oder Ähnliches) zum Trocknen. Nach 20 Minuten sind die Teeblätter trocken genug.
Die getrockneten Teeblätter werden nun in eine Sortiermaschine gegeben. Die Blätter werden nach Größe sortiert. Je weniger die Blätter und Knospen während des Prozesses beschädigt wurden, desto höher ist die Qualität. Intakte und große Teile werden für losen Tee verwendet, kleine und staubige Teile für Beuteltee.
Wenn dem Schwartee noch weitere Zutaten zugesetzt werden, dann passiert das nach der Sortierung. Die weitere Verarbeitung inkl. der Verpackung fand außerhalb des gezeigten Produktionsraumes statt.
Es hat mich sehr gefreut, so viel über Tee zu lernen :)
Neben Tee wachsen Erdbeeren sehr gut in den Cameron Highlands. Es soll über 200 Farmen geben. Wir haben eine besucht – das Eis mit Erdbeeren war sehr lecker. Die Ernte ist hier ganzjährig möglich.



Als letzte Aktivität unserer geführten Ganztagestour waren wir im Mossy Forest mit Wanderung auf dem Coral Hill. Mossy Forest bedeutet so viel wie moosreicher Wald. Es lebt so viel Moos überall, das war wirklich unglaublich. Im Vergleich dazu haben wir richtig wenig Moos im Garten. Es gab viele verschiedene Arten zu sehen. Es wird geschätzt, dass der Wald über 200 Millionen Jahre alt ist.


Auf der Spitze des Coral Hills hatten wir eine gute Übersicht über die Gegend.

Die Cameron Highlands haben mir sehr gut gefallen. Wir hatten so einen schönen Tag und der blaue Himmel ließ die Teeplantagen grün leuchten.
Am 20. September ging es auf zu unserem letzten Reiseziel: Kuala Lumpur.
Bald geht es wieder zurück, was ich mir noch gar nicht vorstellen kann.
Mareike
P.S. Am liebsten würde ich einen Artikel über die Menschen in Malaysia schreiben. Ich habe die Herausforderung, dass Malaysier sehr reserviert, privat und zugleich freundlich sind. Ein Einblick in das Leben der Einheimischen konnten wir leider nur sehr beschränkt bekommen.