Borneo im Zwiespalt zwischen Ressourcennutzung und Artenschutz

Malaysia ist ein sogenanntes Schwellenland. Wie viele weitere Länder nutzt es die natürlich vorkommende Ressourcen um wirtschaftlichen Wohlstand zu erreichen. Die Ressourcennutzung geht oftmals mit Umweltverschmutzung und „Landgewinnung“ einher. Themen hier sind u.a. Öl & Kohle, Wasserstoff, Tropenholz und Palmenölplantagen. Einen kritischen Artikel dazu verlinke ich unten im Text.

Auf Borneo gibt es Bodenschätze wie Öl und Kohle. Die Einnahmen aus dem Öl fließen zu großem Teil in die malaysische Staatskasse. Es soll ein altes Abkommen geben, dass der Staat Sarawak 5% der Öleinnahmen behalten darf (95% an Malaysia abgibt) und dafür über alle anderen Ressourcen herrschen darf. Folglich haben sie ein Interesse, alternative Energieformen zu finden/nutzen.

Um die Entwicklung zu mehr erneuerbaren Energien voranzutreiben, wird im Staat Sarawak in Wasserstofftechnologien investiert. Es sollen Produktionsanlagen gebaut und die Infrastruktur dafür aufgebaut werden. Durch das hohe Wasseraufkommen gibt es die Möglichkeit, notwendige Energie für die Wasserstoffproduktion über Wasserkraft (günstig) zu produzieren. Europäische Länder sollen wohl bereits Interesse an dem Wasserstoff angemeldet haben. 2028 soll die Anlage in Betrieb gehen. Mal schauen, was passiert.

Ein begehrter Rohstoff ist das Tropenholz. Es wird gerodet und verkauft. Es wird vor allem in der Bauwirtschaft genutzt. In den letzten Jahrzehnten kam es oft zu illegalen Rodungen. Korruption spielt auch eine Rolle.

Auf den gerodeten Flächen entstehen häufig Palmenölplantagen. Die Palmenölindustrie hat sich auf Borneo stark entwickelt. Indonesien und Malaysia decken einen wesentlichen Teil (>90%) des weltweiten Palmölbedarfs ab. So sehen die Plantagen aus der Luft aus (während des Fluges von Kuching nach Mulu):

Palmenölplantage vom Flugzeug aufgenommen

Aus der Luft habe ich ein Video aufgenommen, wie auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Langkawi die Plantagen aus der Luft aussehen. Es gibt demnach auch Plantagen auf der Halbinsel von Malaysia und nicht nur auf Borneo (wie die Artikelüberschrift lautet). Auf dem ersten Blick könnte man annehmen, dass es sich um Wald handelt. Es sind jedoch Palmenölplantagen. So ging es weiter und weiter bis wir zu hoch waren, um die Plantagen zu sehen.

Palmenölplantagen aus der Luft

Ein weiterer Faktor, der den Regenwald belastet, ist Brandrodung. Generell ist bekannt, das bestimmte einheimische Bevölkerungsgruppen keine klassischen Jäger und Sammler sind, sondern teilweise Brandrodungswanderfeldbau betreiben. Bei geringer Bevölkerungsdichte kann ein Ökosystem das ertragen, solange die Vegetation genug Zeit zur Regeneration hat und ausreichend große Rückzugsgebiete für sensible Arten bleiben. Durch starke Bevölkerungszunahme sind die Landschaften Borneos zusätzlich einer immer stärkeren Zerstörung ausgesetzt.

All diese Ressourcennutzung steht in Konkurrenz zum Artenschutz und zur Erhaltung der Biodiversität. Laut einer Karte von worldrainforest.com wurden wesentliche Teile des Regenwalds einmal oder mehrmals gerodet. Der Mulu Park, indem wir waren, umfasst einer der wenigen intakten Regenwaldbereiche:

Als eine Maßnahme zum Erhalt der Biodiversität stehen im Staat Sarawak 12% der bewaldeten Fläche unter Schutz. Dies entspricht einer Größe von mehr als 1 Million Hektar Land.

Borneo befindet sich im Zwiespalt – oder doch nicht? Wie wichtig der Insel und auch der Welt der Erhalt der Biodiversität ist, werden wir in den nächsten Jahrzehnten sehen. Es ist unglaublich zu sehen, wie der Regenwald genutzt wird. Rodungen und landwirtschaftliche Nutzung von Flächen gab und gibt es zuhauf auch in der Geschichte Deutschlands, Europas und an vielen anderen Orten auf der Welt. Global betrachtet passiert hier einfach sehr viel, was durch menschlichen Konsum mitbestimmt werden kann.

Jeder einzelne kann bei dem Konsum in Europa etwas für die Biodiversität auf Borneo tun. Ich persönlich werde darauf achten, weniger Produkte mit Palmenöl zu konsumieren. „Palmöl grundsätzlich zu boykottieren und komplett durch andere Pflanzenöle zu ersetzen, ist leider keine Alternative. Denn bei jedem anderen Pflanzenöl ist die Ertragsbilanz schlechter; für den Anbau werden also größere Flächen benötigt“ (Quelle). Siegel oder Zertifikate für Palmenöl aus vermeintlich „nachhaltigen Quellen“ sollten mit Vorsicht genossen werden. Es wurde schon so viel gerodet und es wird immer mehr für Palmenöl erschlossen.

Für Interessierte:

Mareike

Nach oben scrollen
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner