Am 04.09 sind wir erfolgreich mit einer ATR72-Maschine in Mulu gelandet. Der Flughafen ist so klein, da gibt es nur drei wesentliche Räume: Ankunftshalle, Abflughalle und Eingangsbereich. In der Ankunftshalle ist alles in einem großen Raum: Immigration, Gepäckabgabe und -sowie Wartebereich. Es ist das kürzeste Gepäckband, das ich je gesehen habe. Das sind nicht mal 3m Rollband:

Im Mulu Park gibt es viele Höhlen zu erkunden, die kleine Tierwelt zu sehen und einfach den Dschungelflair zu genießen. In diesem Artikel gehe ich vor allem auf die Höhlen ein. Jeden Tag haben wir andere Höhlen gesehen, die ihre Eigenart hatten.
Im Mulu Park befindet sich das neuntgrößte Höhlengebiet der Welt: das Clearwater Cave System. Wir haben Teile der Lagangs Cave, Cave of the Winds, Clearwater Cave, Lady Cave, Lang Cave, Deer Cave und Racer Cave gesehen (in der Reihenfolge). Viele der Höhlen wurden in den 1960/70 erforscht und kartographiert. In einer davon leben Millionen Fledermäuse – welche erfahrt ihr später.

Damit der Artikel spannend bleibt, gibt es ausgewählte Aspekte. Zwei Höhlen waren nur mit unseren Kopflampen beim Durchgehen beleuchtet. Alle anderen Höhlen hatten integrierte Lichter und sehr gut ausgebaute Wege – sogenannte Showcaves. Die Touren waren generell nur mit einem Guide möglich. Es wird hier viel Wert auf Sicherheit gelegt.

Unser Einstieg in das Höhlensystem war der sogenannte Fastlane Track. Es war eine lange Wanderung durch die Lagang Cave. Da wir selber die einzigen Lichtquellen mitgebracht haben, war eine besondere Stimmung in der Höhle.

In der Cave of the Winds weht an einer Stelle ein Windzug durch. Ansonsten ist es spannend, die vielfältigen Gesteinsformationen zu sehen.

Die Clearwater Cave war eine von zwei Höhlen für uns, die einen Fluss führt. Man kann sehr gut erkennen, wie das Wasser die Höhle formte.

Vor der Höhle konnten wir im Fluss schwimmen gehen. Das Wasser war klar und kalt. Es war so eine tolle Abkühlung von diesen tropischen Temperaturen – besser als jede Klimaanlage. (Davon abgesehen haben wir seit Tagen keine Klimaanlage mehr gespürt. Es gibt schon welche, nur in anderen Gebäuden als wir uns aufhalten. Wenig Strom verbrauchen ist hier die Devise).

Neben der Clearwater Cave ist die Lady Cave, die wohl vor Millionen von Jahren einen Wasserfall geführt hat. Heute ist dort nur noch ein Loch zu sehen. Es ist kein spannender Anblick, deswegen gibt es kein Foto dazu.
Die Lang Cave wurde nach dem Finder, einem Herrn Lang benannt. Es ließ sich gut durchgehen und die Lichtstimmung wahrnehmen.

Ein wahres Highlight des Mulu Parks ist die Deer Cave. Früher wurde dort viel Deers (Rehe) angetroffen, so dass die heimische Bevölkerung dort gerne gejagt hat. Mit dem öffentlichen Zugang zur Höhle sind die Tiere dort seit Jahrzehnten nicht mehr anzutreffen. Die Rehe sind dort hingekommen, da sie ihren Salzbedarf durch Fledermauskot decken konnten, sogenanntes Guano. In der Höhle leben nämlich Millionen von Fledermäuse. Es heißt, hier lebt die größte Fledermauspopulation innerhalb einer Höhle auf dieser Welt.
Die Höhle ist so gigantisch groß und weit, der Anblick ist weiterhin unglaublich. Teilweise ist die Höhle bis zu ~150 m hoch und ~150 m weit. Das Foto kann das Ausmaß gar nicht richtig erfassen. An der Decke hängen einige Fledermäuse in der Ferne.

Im hinteren Teil der Höhle ist der sogenannte Garden of Eden. Es ist ein Teil von der Höhle vor Jahrmillionen kollabiert. Der Teil sieht nun aus wie ein Garten im Paradis:

Bei entsprechendem Wetter in den Jagdrevieren der Fledermäuse, verlassen sie in Schwärmen die Deer Caves – und kommen wieder zurück. Wir konnten an einem Abend das Spektakel beobachten – es dauert die gesamte Nacht. Eine Schätzung von vor 25 Jahren geht von 4 Millionen Fledermäusen aus. Wenn ein Schwarm die Höhle verlässt, sieht es dann so aus:

In der Racer Cave haben wir ein richtiges Kletterabenteuer erlebt. Zu Dritt plus Guide waren wir in der Höhle, die bekannt ist für Racer Snakes (Schwarznatter). Die Tour wurde als „Caving Experience“ im „intermediate level“ verkauft – gute Grundfitness vorausgesetzt. Es ging rauf und runter, wir haben uns entlang von Seilen hochgezogen, wir sind mit der Hilfe von Seilen runtergeklettert, wir haben uns zwischen Gesteinsformationen durchgequetscht und sind in der Höhle gewandert. Es war wirklich verrückt und unvergesslich. Den Schwierigkeitsgrad habe ich nicht erwartet. Im Endeffekt war alles machbar, so herausfordernd wie der Weg auch aussah.


Alles in allem ist der Mulu Park ein sehr guter Ort, um Höhlen zu erkunden und zu erleben. Die Touren sind sehr vielseitig und die Guides hilfsbereit und angenehm.
Neben den Höhlen war es total schön, den Dschungel zu erleben. Anbei ein paar Bilder der Vegetation im besten Licht:


Im nächsten Artikel möchte ich den Sound von Borneo mit euch teilen: Tonaufnahmen aus den Dschungeln im Bako Nationalpark, Mulu Park und Mountain Kinabalu (da bin ich gerade). Die meisten Tiere sind so gut im Dschungel getarnt, dass man sie eher hört statt sieht.
Mareike
P.S. Ich habe den letzten Artikel geupdatet. Mir ist beim Sichten der Bilder aufgefallen, dass wir neben den Langnasenaffen noch Makaken (auch Affen) gesehen haben.