Aufgrund der Nachfrage meiner Mama, kommt hier ein Artikel über Menschen in Indonesien. Im Text erzähle ich ausgewählte Aspekte zu Ari, Uji, Ibu, Nang und Kim, die wir kennengelernt haben. Die Namen sind oftmals „touristengeeignete Spitznamen“.
In Yogyakarta hatten wir einen privaten Fahrer für einen Tag – nennen wir ihn mal Ari. Ari hat drei erwachsene Kinder, wobei er bereits Uropa ist. Früher war er bei der Behörde angestellt, dann hat er lange ein Hotel geführt und nun ist er privater Fahrer für Touristen. Er meint, er sei sehr glücklich und hätte alles, was er im Leben braucht. Wir nehmen an, dass er ein sehr wohlhabender Mann ist. Alle privaten Fahrer für Touristen (vor allem ohne zwischengeschalteter Agentur) verdienen überdurchschnittlich gut. Ari hatte immer einen guten Spruch auf den Lippen. Wenn er unser Englisch nicht verstanden hat, hat er es gekonnt überspielt. Als Fahrer hat er uns sehr gut mit Essen und Trinken versorgt.
In Yogyakarta haben wir unsere Kochkursleiterin kennengelernt – nennen wir sie mal Uji. Uji liebt die Vielseitigkeit und wollte keinen normalen Bürojob haben. Als Frau hat sie es im muslimisch geprägten Teil Indonesiens schwieriger, weil ihre Berufswahl beschränkt ist. Wenn wir das richtig verstanden haben, darf sie nur beschränkt Fächer in einer Universität studieren – wenn überhaupt. Sie versucht einerseits die Rolle einer Frau in der Gesellschaft zu erfüllen und gleichzeitig ihr eigenes Ding zu machen. Sie hat einen Kochkurs belegt und niederländisch gelernt. Neben dem Kochenkurs unterrichtet sie Niederländisch an Fachschulen und an Filmsets. Sie hilft indonesischen Krankenschwestern dabei niederländisch zu lernen, damit sie für bis zu vier Jahre in den Niederlanden arbeiten können. In der Filmindustrie arbeitet sie Backstage wie beispielsweise bei „ihrem“ größten Film „The East“. Sie hilft gerne bei Sozialprojekten, um die Region zu verbessern. Sie ist eine sehr herzliche und weltoffene Frau.
In Munduk auf Bali hatten wir einen Kochkurs mit Ibu. Ibu kommt ursprünglich aus Ubud und ist Hindu. Für uns ist sie eine typische balinesische Frau, die früh die Vorzüge des Tourismus erkannt hat. Darauf hat sie ihr Geschäftsmodell aufgebaut. Sie macht den Kochkurs um einen ihrer Söhne das Studium in Badung zu ermöglichen. Er studiert Civil Engineering und hat die Vision, beim Müllrecycling zu helfen. Indonesien hat ein Plastikproblem. Es gibt kaum Infrastruktur für Entsorgung oder Recycling. Deswegen wird Müll einfach in die Natur geworfen, verbrannt (ekelhafter Geruch) oder in die Flüsse gekippt. Früher wurden einfach die Bananenblätter und Kokosnussschalen verbrannt – warum also kein Plastik? Ibu gehört auch zu den wohlhabenden Menschen, da sie sogar eine eigene, beeindruckende Tempelanlage am Haus hat.
In Ubud haben wir Nang kennengelernt. Er ist der „kulturelle Führer“ des Stadtteils in Ubud und war die Verkörperung des Hinduismus für uns. Er ist wie ein ehrenamtlicher Bürgermeister, nur im Hinduismus verankert. Wie es typisch auf Bali ist, gehört das Grundstück der Gemeinschaft und seine Familie hat Wohnrecht – solange jemand von denen lebt und zahlt. Wenn keine Generation das Grundstück nutzt, geht es zurück an die Gemeinschaft und jemand anderes wird dort wohnen. Aufgrund dieser lokalen, kulturellen Verwurzelung ist er noch kaum gereist. Er sieht keine Notwendigkeit zu Reisen. Stattdessen kümmert er sich um die Gemeinschaft, betreut seine Unterkunft und sorgt für die Familie und die Gemeinschaft. Er hat stark in den Tourismus investiert und ist sehr pflichtbewusst seiner Gesellschaft und Religion gegenüber. Nangs Frau ist Zahnärztin, was im hinduistischen Bereich möglich ist.
Unser Tourguide beim Vulkan Ijen war Kim. Er ist momentan 26 Jahre alt, hat Tourismus und Management studiert und wollte eigentlich noch nicht heiraten oder Kinder kriegen. Nur seine Familie wollte es. Jetzt ist er verheiratet und hat einen 2-jährigen Sohn. Sein Traum ist es, eines Tages nach Europa zu reisen. Kim hilft dabei, dass Minenarbeiter zu Touristenführern ausgebildet werden. Ansonsten ist er authentisch zufrieden mit seiner Arbeit als Touristenführer und ich konnte ihn alles mögliche zu Indonesien fragen. Er ist ein bodenständiger und witziger Typ, der wirklich möchte, dass du ein gutes Erlebnis hast. Und er konnte sehr gut die Rahmenbedingungen des Vulkans Ijen erläutern.
Mit diesem Artikel sende ich Grüße aus Jakarta. Morgen ist unser letzter Tag.
Mareike