Es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie sich das Verhalten in einem anderen Land ändern kann. Dabei fällt mir besonders auf, dass viel mehr Aktivitäten im Vergleich zu zuhause unternommen werden. Dazu gehört, dass ich bisher jedes Wochenende unterwegs war und mein Kalender bis Oktober bereits gefüllt ist – seid gespannt auf kommende Berichte!
Abgesehen von den sozialen Events aka Feiern gehen innerhalb der Willkommenswoche war ich zwei mal wandern (sehr schöne Natur), hatte eine Führung im Opernhaus, war in der Nationalgalerie, im Astrup Fearnly Museum („moderne Kunst“), habe mich mit einigen im Park getroffen oder bin in die hier im Studentenwohnheim gelegene „Bar“ gegangen. Es ist ein Ort zum gemütlich sitzen und eine Runde Billard spielen. Darüber hinaus kostet ein Kakao nur 1,2 Euro – ja, ich trinke auch gerne einen Kakao in der Studentenbar :).
Was steht in naher Zukunft an? Morgen früh (31.08.18) fahre ich zum Flughafen und reise nach Bergen. Es ist die Regenhauptstadt Europas und – kaum zu glauben – es soll weitestgehend trocken bleiben! Dort werde ich wandern, eine Fjordtour machen und, in Abhängigkeit des Wetters, die dortigen Museen/Ausstellungen besichtigen. Ich werde berichten.

Nächstes Wochenende (07.09 – 09.09) werde ich mit 12 weiteren Personen nach Stavanger reisen. Was wir genau unternehmen werden, steht noch nicht fest. Außerdem ist es nicht einfach, so eine große Gruppe zu koordinieren. Die darauf folgenden Wochenenden sind ebenfalls bereits verplant. Schon jetzt freue ich mich auf meine erste Ballettaufführung in meinem Leben: Im November werde ich mit einigen anderen Schwanensee im Opernhaus von Oslo sehen. Zum Glück werden die Tickets zu 50% vom Staat finanziert, sodass die Aufführung bezahlbar ist (40 Euro für Studenten).
Warum werden tendenziell im Ausland mehr Aktivitäten unternommen? Es ist nicht das erste Mal, das ich dieses Verhalten an mir und anderen beobachte. Mögliche Gründe können sein:
- Man ist absichtlich in dem fremden Land und möchte es erkunden.
- Die Aufenthaltsdauer im Land ist begrenzt und man möchte die Zeit nutzen. Das Gefühl der Limitierung beeinflusst die Entscheidungen.
- Es gibt keinen so stark geregelten Alltag. Dadurch wird man flexibler und ist möglicherweise auch gelangweilt, wenn nichts zu tun ist.Darüber hinaus hat man hier nicht alle Möglichkeiten wie zuhause, sodass man selber seine Zeit aktiv gestaltet.
- Die Preisbereitschaft für Aktivitäten ist höher. Zuhause denke ich viel stärker darüber nach, was mich wann wie viel kostet und ob es das wirklich wert ist – man hat ja immer noch irgendwann mal die Chance das zu unternehmen.
- Das zur Verfügung gestellte Budget wird anders kalkuliert als zuhause.
- Besondere Form von Gruppenzwang. Am Anfang kennt man kaum einen und durch die Teilnahme an Veranstaltung kann man sich integrieren.
- Es gibt riesige Facebook- und Whatsappgruppen für Austauschstudierende, in denen ständig neue Ideen, Events und Veranstaltungen gepostet werden. Jeder kann mitmachen und wenn man eine gute Idee hat, findet sich meistens jemand, der mitkommt. Das unterscheidet sich wesentlich von zuhause, wo man seine gefestigte Gruppe(n) hat (von der man eventuell auch etwas abhängig ist, wenn man nicht alleine reisen möchte).
- Es werden mehr Recherchen unternommen, was alles möglich in der Umgebung ist. Man kennt sich hier nicht aus und möchte die Umgebung kennenlernen. Zuhause kennt man vermeintlich vieles oder sucht tendenziell eher selektiv nach Möglichkeiten.
- Wer kauft sich einen Reiseführer seines Heimatorts?
Somit wird hoffentlich deutlich, dass es sehr viele unterschiedliche Gründe (räumliche, zeitliche, finanzielle, gruppendynamische) geben kann, warum viele Menschen im Ausland mehr unternehmen. Bei mir persönlich treffen viele der oben genannten Punkte zu. Immer wieder, wenn ich von einer Reise zurückkomme, frage ich mich, warum ich diese Barrieren zuhause selten überwinde.
Mareike