Am Freitag Nachmittag ging es für mich wieder nach Idaho. Mit dem Outdoor Recreation Center habe ich eine Reise zum Upper Priest Lake gebucht. Das kann man sich so vorstellen, wie als würde ich mit der Hochschulsportgruppe vereisen. Wir sind zu acht losgefahren: sechs Teilnehmer und zwei Betreuer. Das Outdoor Recreation Center stellt die notwendige Ausrüstung: Rucksack, Schlafsack, Schlafunterlage sowie Wanderstöcke, Lampen, Zelte, Bärboxen und Bärspray (stärkeres Pfefferspräy). Ich selber habe mir einen Winterschlafsack, eine Unterlage sowie gezwungenermaßen einen Rucksack ausleihen müssen. Eigentlich habe ich meinen eigenen Rucksack, doch beim Packen am Freitagmorgen hat irgendwas komisch gerochen. Als ich bereits unterwegs zum Büro war, ist mir aufgefallen, warum es so roch: entweder die Katze oder der Hund meiner Gastmutter hat auf meinen Rucksack gepinkelt! Es war leider zu spät und unter einem Waschbecken konnte ich den Gestank nicht loswerden. Deswegen musste ich mir spontan einen anderen Rucksack ausleihen.
Wir haben uns um 16 Uhr getroffen und unsere Sachen gepackt. Die bereits erwähnten Bärboxen werden verwendet, weil in dem Wandergebiet Bären heimisch sind. Diese werden vom Essensgeruch angelockt. Das Essen wird entweder in einem Sack hoch in an einen Baum gebunden oder in eine Bärboxen getan und außerhalb der Zeltbereiche gelagert. Die Bärboxen sind verschlossen, so dass die Bären nicht an das Essen kommen.
Nachdem alle abfahrtsbereit waren, sind wir knapp 4.5 Stunden zu unserem ersten Campingplatz gefahren. Mir wurde bewusst, dass es höchstwahrscheinlich regnen wird, denn eine Wahrscheinlichkeit von 60% ist sehr hoch für diese Gegend. Kleine Anmerkung: in 1.5 Monaten hat es zwei mal geregnet und einmal gewittert. Ich hoffte so sehr, dass es nicht regnen wird, denn ich mag nicht im Regen wandern,nass im Zelt schlafen und weiterwandern. Wie auch immer: spät abends sind wir am Camping Platz angekommen und die Zelte wurden die erste Nacht erprobt. Da die beiden Betreuer in einem Zwei-Mann-Zelt übernachten und die weiteren vier sich kannten (Vier-Mann-Zelt), hatte ich mit einer anderen viel Platz in einem Drei-Mann-Zelt. Noch ein paar Worte zu unserer Truppe: die vier, die sich kennen, sind internationale Studenten, die jeweils ein Auslandssemester machen. Die Herkunftsländer sind Frankreich, Schweiz, Deutschland und der Sudan. Die mit mir im Zelt geschlafen hat kommt aus Bangladesh.
In der ersten Nacht hat es angefangen zu regnen… Es war ein leichter, beständiger Regen, der uns nicht davon abgehalten hat, unsere Sachen zu packen. Wir sind vom Camping Platz aufgebrochen und haben den Trail/ Wanderweg gesucht. Die Betreuer wussten nicht genau wo wir auf den Wanderweg treffen, weil es keine gute Beschilderung gibt. Nach einigem Hin und Her sind wir angehalten, haben unsere Rucksäcke aufgesetzt und sind losgegangen. Der Weg sah nicht wirklich nach einem häufig bewanderten Weg aus. Nach etwas umher irren haben wir einen Weg gefunden, der uns direkt durch einen Fluss führte. Für meine Zeltnachbarin war es die erste Wanderung und sie hat keinerlei Erfahrung. Dazu kam, dass sie unsicher war und somit dauerte es lange, bis wir den Fluss (einigermaßen) trocken überquert hatten. Nur gab es folgendes Problem: der Weg führte nicht weiter auf der anderen Seite des Ufers! Also haben wir entschlossen zu dem Auto zurückzukehren, weil wir wohl am falschen Ort sind. Dementsprechend ging es wieder zurück über den Fluss, was viel Zeit in Anspruch nahm. Der Regen hat in der Zwischenzeit leicht zugenommen und ich hatte keine richtige Regenjacke dabei, sondern mehr eine Windjacke, die noch den Regen abhielt. Auf dem folgenden Foto ist zu erkennen, wie unsere Gruppe über das weitere Vorgehen beratschlagt.
Wir sind zu einem anderen Ort gefahren und dort gab es wenigstens Beschilderung zum Wanderweg, so dass wir das Auto dort gelassen haben. Der Weg war schön und am Anfang weisten farbige Bändchen den Weg. Irgendwann hörten die Markierungen auf und wir hatten das Gefühl wir gehen vom See weg (und bergauf). Das war ein Problem und mir hat das vor Augen geführt, wie schwierig die Orientierung in einem Wald ohne Karte und ohne Empfang ist. Natürlich hatten die Betreuer Karten ausgedruckt, aber das waren Google Maps Aufnahmen aus dem Jahre 2009. Ich habe mir nicht wirklich Sorgen gemacht, doch wenn wir falsch gewesen wären, gab es ein Problem: die junge Frau aus Bangladesh hatte nasse Schuhe, sie wurde immer langsamer und schien keine Kraft mehr zu haben. Die gesamte Wanderung sollte 5 Milen lang sein (8.5km) und sie konnte bereits nach 3 Milen nicht mehr. Wer mich kennt der weiss, dass ich die Gabe habe mich sehr langsam bewegen zu können.
Vor allem beim Gehen bin ich nicht die schnellste, aber die Bangladescherin war sooooooo viel langsamer. Der Regen machte die Situation nicht angenehmer- es hat seit heute morgen durchgehend geregnet.
Irgendwann haben wir den See gesehen und wussten, dass wir richtig sind. Auch unser Campingplatz war nicht mehr zu weit weg. Es hat immer noch geregnet, als wir angekommen sind und leider mussten wir feststellen, dass die eigentlich neuen Rucksäcke nicht wasserfest sind – alle Schlafsäcke waren mehr oder weniger nass.
Nach einer Erholungspause hat der Regen nachgelassen und wir haben unser Abendessen gekocht. Außerdem haben wir ein Lagerfeuer gemacht, an dem wir uns aufwärmen und einige Sachen trocknen konnten.

Mit einem relativ trockenen Schlafsack ging es in die Nacht.
So sah unser kleines Camp aus:
Mitten in der Nacht bin ich aufgewacht – und es hat wieder geregnet.
Als ich zu einem späteren Zeitpunkt erneuert aufgewacht bin, war es zum Glück trocken und ich hatte die Hoffnung, dass es trocken bleibt. So sah es am nächsten Morgen aus:
Es war somit trocken und ich habe mich auf die Wanderung zurück gefreut. Es ist so, dass ich mit der Bangladescherin das Zelt, die Kochutensilien und die Bärenbox mit dem Essen geteilt haben. Leider hat sie richtig viel zu essen mitgebracht und
nichts (!) zu Abend und auf Zwang morgens eine Kleinigkeit gegessen. Ich habe ihre 500 Gramm Wurzeln und noch einiges mehr unnötigerweise hin- und hergetragen. An sich habe ich kein
Problem damit, Essen zu tragen, aber dann sollte man wenigstens etwas davon essen. .. Wahrscheinlich ist ihr aufgrund der Unerfahrenheit gar nicht bewusst, dass dasveine schlechte Idee ist. Allgemein war ich überrascht, was die anderen Teilnehmer
mitgenommen haben, weil der Verpackungsmüll musste ja zurückgetragen werden. Es wurde unter anderem Tunfisch in Dosen (scharf und Müll) ohne Dosenöffner, Energiedrinks in Dosen (Müll), 7 Bananen (jeder die zerdrückten Bananen wie er mag) sowie Milch mit Kakaopulver mitgebracht. Ich habe gemerkt, dass ich bereits einen gewissen Erfahrungsschatz bzgl. geeigneter Wanderausstattung habe.
Des Weiteren ist mir bewusst geworden, dass das Wissen über die Natur und die heimischen Tiere immer unwichtiger wird in einer modernen Welt. Fußabdrücke erkennen? Wer braucht das schon, wenn der einzige Bär in Deutschland innerhalb kürzester Zeit erschossen wird. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir in
der Grundschule die „Fußabdrücke im Schnee“ von Rehen, Hasen, Enten und sonstwas besprochen haben. Das ist nicht wirklich Überlebensrelevant. Hier in Nord Idaho ist es wichtig beispielsweise Abdrücke eines Bären, Elchs oder Berglöwen erkennen zu können. Letzteres greift jedoch keine Menschengruppe an. 
Die Wanderung zurück war auf jeden Fall viel schöner, weil es trocken geblieben ist. An sich sind wir nur 3 Stunden unterwegs gewesen. Aufgrund des vielen Regen ist der Fluss so stark angestiegen, dass wir ihn barfuß durchqueren mussten.
Auf dem Rückweg (Autofahrt) hatten wir einen Zwischenstopp um Mittag zu essen. Die Bangladescherin hatte „so einen riesigen Hunger“ – obwohl ich die ganze Zeitihr schweres Essen (ungelogen 1kg) getragen habe. Ich war leicht sauer als sie
sich im Restaurant Vor-, Haupt-, und Nachspeise bestellt hat. Insgesamt hat die Rückfahrt 6 Stunden gedauert – ja, das ist eine normale und keine außergewöhnliche Entfernung in der USA.
Der Trip war eine gute Möglichkeit mal wieder rauszukommen, auch wenn es viel geregnet hat. Die Truppe war sehr witzig und ich habe gerne die drei Tage mit denen verbracht. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass nicht alles durchnässt gewesen ist und es etwas weniger regnet, aber manchmal muss man die Natur so nehmen wie sie ist und nicht nur „Gut-Wetter-Wandern“ gehen (in einem gewissen Rahmen).
Des Weiteren habe ich viel über unsere heutige und die frühere Lebensweise nachgedacht. Allgemein ist das für mich eine gute Möglichkeit abzuschalten und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Unterstützend ist dabei die Tatsache, dass es kein Handyempfang gab. Abschließend möchte ich hier die 7 leave-no-trace Prinzipien (hinterlasse keine Spur) vorstellen. Damit die Natur in einem guten und natürlichen Zustand bleibt, wird jeder Wanderer angehalten, sich wie folgt zu verhalten:
- Plan Ahead and Prepare (Plane vorraus und seie vorbereitet)
- Travel and Camp on Durable Surfaces (wandere und zelte auf bestaendigem Boden; kein frisches Gras sondern Erde)
- Dispose of Waste Properly (Entsorge deinen Muell richtig)
- Leave What You Find (Lasse alles dort, wo du es gefunden hast)
- Minimize Campfire Impacts (Minimiere die Lagerfeuerauswirkungen; Feuer nur dann, wenn notwendig)
- Respect Wildlife (Respektiere die Wildniss)
- Be Considerate of Other Visitor (Sei dir anderen Besuchern bewusst; Lautstaerke, Verhalten, ..)
Mareike