Das Universitätssystem – so wie ich es verstanden habe

Nach einiger Zeit ohne weiteren Artikel möchte ich darüber berichten, wie das Studium in vielerlei Hinsicht in der USA ist. Als Anlass dafür ist der Beginn des Semesters in der kommenden Woche. In dieser Woche war die Willkommenswoche für die Erstis. Es scheint so zu sein, dass fast alle Erstsemestler (Ausnahmen vorhanden) auf dem Campus leben müssen. Nach einer gewissen Zeit dürfen sie woanders hinziehen. Ob das wirklich wahr ist, kann ich nicht sagen, jedoch gab es extra zwei „Moving-Days“, an denen sehr, sehr viele Studenten in die Wohnheime eingezogen sind. Seit dem ist der Campus ungewohnt voll (~20.000 Studenten ingesamt).

Nachdem derHighschool-Abschluss erreicht wurde, stehen den amerikanischen Absolventen viele Möglichkeiten zur Verfügung. Diese schöne Grafik habe ich auf Wikipedia gefunden. Sie verdeutlicht das us-amerikanische Bildungssystem, wobei ich vor allem auf den oberen Bereich eingehen werden.

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Hier in den USA gibt es Colleges und Universitäten. Da ich selber den Unterschied nicht wusste, habe ich eine gute Erklärung hier. „Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet College vor allem die ersten zwei, drei oder vier Jahre des Hochschulstudiums […]. Die Bezeichnung University ist solchen Hochschulen vorbehalten, die nachweislich auf Forschung ausgerichtet sind und auch eine Ausbildung und Forschungsmöglichkeiten jenseits des Grundstudiums anbieten.

Die Entscheidungsmöglichkeit einer Bildungseinrichtung, sich den Namen College oder University zu geben, ist in jedem Fall vom jeweiligen Bundesstaat und der Akkreditierungsagentur gesetzlich geregelt und abhängig. Der Begriff ‚Universität‘ suggeriert ein höheres Niveau von Bildung und ist damit prestigeträchtiger, aber tatsächlich gibt es in den Vereinigten Staaten auch einige top-ranked Elite-Colleges, an denen hochkarätige Forschung betrieben wird und deren Absolventen dem hohen Prestige ihres Colleges bessere berufliche Startchancen verdanken als die Absolventen einer der zahlreichen Universitäten, die sich im Hochschulranking an den untersten Plätzen finden.“

Hier an der Washington-State Universität gibt es das Undergraduate-Programm, Professional Schools, Master Degree-Studies sowie Doctoral and Postdoctoral Studies  and Research. Was bedeutet das?

Das Undergraduate-Programm lässt sich mit dem Bachelor vergleichen – als Abschluss nach den normalerweise 4-Jahren (manche dauern 3, andere nehmen sich 5 Jahre dafür Zeit) hat man den Grad eines Bachelors erlangt. Es gibt einerseits den Major und den Minor im Studienverlauf. Den Major kann man sich vorstellen wie sein Hauptstudium. Der Minor ist so einer Art extra Studium, das zusätzlich belegt werden kann (kleinerer Umfang als Major), aber nicht notwendig für einen Abschluss ist. Es erhöht natürlich das Fachwissen und somit die Chance einen guten Beruf zu finden. Beispielsweise hat einer aus dem Arbeitskreis Major Chemical Engineering und als Minor Chemistry. Er hätte auch als Minor Pilosophie wählen können – oder eben keinen Minor.

Der Bachelor ist ein berufsfähiger Abschluss. Anschliessend kann ein einjähriger Master absolviert werden oder direkt den Ph.D anfangen (anders als auf der Grafik)  Wenn man später forschen möchte, so ist ein Ph.D. anzuschließen stark zu empfehlen, bei industriellen beruflichen Vorstellungen kann ein Ph.D. hinderlich sein. Beim wissenschaftlichen Zweig folgt auf den Doktortitel meist ein Post-Doc.

Bei den Studiengängen wie Medizin, Veterinärmedizin, Jura und Theologie – also jene Fächer, die bei uns als Staatsexamen studiert werden – folgt nach dem Bachelor der Besuch einer Professional School, worauf ebenfalls ein Ph.D erlangt werden kann.

An sich klingt das Bildungssystem ähnlich – vor allem weil das deutsche System nach der Bologna-Reform sowieso tendenziell dem us-amerikanischen angepasst wurde. Der sehr große Unterschied ist die finanzielle Lage der Studenten. Die Bildungseinrichtungen werden nämlich nur zu einem geringen Teil aus Steuergeldern bezahlt, das meiste bezahlen die Studenten selber (oder Firmen, Sponsoren, Institute, Stiftungen,…).

Die Studiengebühren betragene tausende Dollar pro Semester! Ich weiss von einer Tiermedizinstudentin, dass sie 22.000$ pro Semester bezahlt. Mit dem Geld darf sie in der Tierarztklinik arbeiten, wobei sie für ihre Arbeit nicht bezahlt wird (!). Es ist so eine Art Pflichtpraktikum am Ende ihres Studiums. Das muss man sich mal vorstellen: 22.000€ bezahlen und 40-50 Stunden die Woche unentgeldlich arbeiten und noch Miete, Leben, Essen- das ist dreifach bezahlen. Sie meinte, nach dem Abschluss hat sie Schulden von 350.000$; aber sie hätte kein Problem mit der Verschuldung an sich.

Es gibt viele Möglichkeiten der Finanzierung: neben der Unterstützung der Eltern gibt es staatliche Hilfe (in Abhängigkeit des Einkommen der Eltern ~Bafög mit kompletter Rückzahlung). Wobei letztere bereits 4 Monate nach dem Erlangen des Abschlusses zurückgezahlt werden muss – egal ob eine Arbeit gefunden wurde oder nicht. Außerdem gibt es viel mehr Stipendienprogramme, die die Studiengebühren übernehmen. Ein Großteil der Studenten wird somit nach dem Abschluss verschuldet sein. Es ist auf keinen Fall vergleichbar mit der Verschuldung über Bafög in Deutschland.

Was aus dieser meist hohen Verschuldung folgt, ist, dass die Stundenlöhne relativ hoch sind. Ich weiss, dass einige Ph.D Absolventen sehr gut verdienen – irgendwie wird hier ziemlich offen über Geld geredet. Ein Jahresgehalt von 78.000$ finde ich als Außenstehende, die keine Ahnung hat, was ein anständiges Gehalt als Berufseinsteiger in der USA ist, sehr hoch. Ein Stundenlohn von 22$ klingt für mich beispielweise nicht wenig…

In dem Arbeitskreis, in dem ich arbeite, gibt es einen Undergraduate (~Hilfswissenschaftler; Bachelorstudent), mehrere Graduates (die arbeiten an ihrem Ph.D), Post-Docs sowie den Hilfsprofessor (Leiter des Arbeitskreises). Somit habe ich mich bereits intensiv über das Bildungssystem unterhalten können und ich hoffe, dass ich es euch etwas näher bringen konnte.

Mareike

 

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