NZ: das Northland – der hohe Norden

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Am Anfang unserer Neuseelandreise standen wir vor einer großen Entscheidungsfrage: fahren wir von Auckland zuerst in den Norden (Northland) oder zur Coromandel Halbinsel in den Osten?

Der Wetterbericht konnte uns nicht helfen, denn es wurde überall ähnlich vorhergesagt (sonnig, mal bewölkt, circa 25 Grad Celsius). Im Endeffekt hat zur Entscheidung beigetragen, dass ich unbedingt tauchen wollte. Die Poor Knight Islands sind im Northland, deswegen sind wir zuerst in den Norden gereist.

Von Anfang an: am 21.01 sind wir beide in Auckland angekommen. Mama hat mit ihrem Jetlag gekämpft und ansonsten haben wir uns um mögliche Ziele und Attraktionen gekümmert. Auf dem folgenden Bild siehst Du die Landschaft noerdlich von Auckland.

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Am 23.01 haben wir unseren Campervan abgeholt. Der erste Eindruck war nicht überwältigend. Es ist ein alter Van (Baujahr 1999) mit dementsprechenden Gebrauchsspuren wie Roststellen, Kratzer und kleinen Dellen.

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Zu unserer Ausstattung:
Wir haben ein Doppelbett, das während des Tages zu einer Bank-Tisch- Kombination umgebaut werden kann.

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Da es ein sehr hoher Van ist, können wir entspannt im Van stehen.
Beim Kochen ist das sehr angenehm: wir haben einen eingebauten Gasherd, Kühlschrank (läuft über eine zweite Batterie) sowie eine Spüle (mit elektrisch betriebener Wasserpumpe).
Des Weiteren haben wir zwei Campingstühle und einen Tisch dazu gemietet, denn nicht überall gibt es Bänke und Tische.

Zuerst durfte ich den 4.70 Meter langen und 2.80 (?) Meter hohen Van fahren. Es ist das erste Mal, dass ich solch eine Größe fahre. Mit dem Linksverkehr habe ich aufgrund von Erfahrungen in Australien keine Probleme. Deswegen bin ich zuerst gefahren (mitten durch Auckland).

Bei einem“ pac’N’save“- Laden haben wir uns ausgestattet: Toast, Müsli, Kaffee, Tee, Obst und Gemüse, Aufschnitt, Getränke und was man sonst noch so braucht.

Nachdem wir unsere Versorgung für die nächsten Tage sichergestellt hatten, haben wir uns entschlossen, bei der DOC-Campsite am Uretiti-Beach zu nächtigen.
Die sogenanntem DOC-Campsites werden von dem Department of Conservation (DOC) bereitgestellt und liegen oft abgelegen, irgendwo in der Natur. Die Campingplätze können sehr einfach (nur Toilette ohne Waschbecken und sonst nichts) bis sehr gut (mit Strom für Camper, heißen Duschen, trinkbarem Leitungswasser) ausgestattet sein. Normalerweise kostet eine Nacht 10 NZDollar.
Es gibt außerdem einige wenige nichtstaatliche Campingplätze im ähnlichen Preissegment.
Die schöneren, oftmals gepflegteren und besser ausgestatteten (mit Pool, Spielplatz, guter Küche, ..) Campingplätze kosten um die 20 NZDollar.

Zurück zur ersten Nacht im Van:
Das erste Mal das Bett aufzubauen und alles zu sortieren, auszupacken und umzupacken hat viel Zeit in Anspruch genommen. Wir haben uns entschieden, Kisten bzw. Kartons zu verwenden. In dem einen Karton sind beispielsweise Frühstückssachen (Müsli, Toast, Nüsse, Marmelade..), in einem anderen Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen (Müsliriegel, Nudeln, Dosen, Soßen,..) usw.. Dieses System funktioniert gut, wenn sich beide Reisende über den Platz des jeweiligen Gegenstands einig sind…

Die erste Nacht war sehr kühl, weil der Campingplatz direkt hinter einer Düne ist. Es war so herrlich, denn wir konnten überall auf dem Campingplatz stehen (woauchimmer wir wollten). In Deutschland wären wohl die Plätze markiert und am besten eingezäunt.

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Am nächsten Morgen haben wir einen Strandspaziergang gemacht, bevor wir weitergefahren sind. Der Sand war weiß und das Wasser malerisch blau- und das war erst der Anfang unser Neuseelandreise.

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Eigentlich wollten wir bereits am ersten Tag in den Kauri-forest fahren, doch es wäre zu spät geworden. Deswegen sind wir am 24.01 dorthin gefahren. In Dargaville haben wir uns bei der I-Site (sehr zu empfehlende Informationszentren) mit Informationen ausgestattet. Unter anderem mussten wir Bargeld abheben, weil es gibt „nichts“ die nächsten 100km: kein Geldautomat, kein Laden, keine Tankstelle.

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Zuerst sind wir den entlegenden Trounton Kauri Walk gegangen, ein Weg mitten durch den Wald. Wir beide waren die einzigen dort und es war wunderschön. Wir konnten entspannt den Weg gehen und die riesigen Kauri-Bäume bewundern.

Abends sind wir zum Lake Kai Iwi See gefahren und haben die Atmosphäre genossen. Leider war der Campingplatz ueberfuellt und daduch ungepflegt. Es war verlaengertes Wochenende durch einen Feiertag in Auckland und Umgebung (Jahrestag von Auckland).

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Am nächsten Morgen (25.01.) sind wir zu nördlicheren Kauriwäldern gefahren.
Leider erkranken viele Kauri an der sogenannten Kauri Dieback Disease. Ein Pilz ist der Verursacher, denn er verhindert/ beeinflusst die Nährstoffaufnahme durch die Wurzeln. Kauri sind- trotz ihrer gigantischen Größe- Flachwurzler und durch Verunreinigungen (z.B. an Schuhen) gelangen die Sporen zu den Bäumen und deswegen befällt der Pilz bereits einen großen Teil der Kauriwälder. Dadurch können weite Teile absterben.

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Es gibt sehr große Kauri wie der Tane Mahuta („Gott des Waldes“) mit einer Höhe von ca. 51 Metern und Umfang von ca.13 Meter. Um den Durchmesser offiziell zu bestimmen, wird dieser auf der Höhe von 1.4 Meter vom Boden genommen. Tane Mahuta soll wohl der größte noch lebende Kauri sein und um die 2000 Jahre alt. Auf dem zweiten Bild ist der zweitgroesste Kauri zu sehen (schoener).

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Wir sind dem Twin Coast Highway nach Norden gefolgt und hatten einen wunderschönen Picknickplatz.

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Mit einer Autofähre haben wir etwas abgekürzt. Da die Fähre bereits gefüllt war, haben wir eine Stunde in einem gemütlichen Cafe verbracht. Späten Nachmittag sind wir in Ahipara angekommen.

Am nächsten Morgen (26.01) wurden wir von einem Bus abgeholt. Wir hatten nämlich eine Tagestipp nach Cape Reinga gebucht. Auf dem Hinweg konnten wir den 90 Mile Beach hochfahren (ist als Straße klassifiziert), der eigentlich nur 87 (?) Km lang ist. Es war ein sehr ungewöhnlicher Tag, denn die See war ruhig. Oft können die Busse nicht den kompletten Strand befahren, weil es zu gefährlich wäre. Heute konnten wir komplett hoch. Es gibt eine Stelle, wo sich häufig Autos und auch Busse festfahren. Am Strand zu fahren ist gefährlich und wird oft unterschätzt – plötzlich kann eine weiche Stelle kommen. Die Tour-Busfahrer dürfen nicht helfen, wenn jemand stecken geblieben ist, weil die Gefahr besteht, dass sie auch stecken bleiben (Ausnahme bei Verletzungen).

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Vom Strand sind wir entlang eines Flusslaufes zu einer Sanddüne gefahren. Dort haben wir Sandboarding gemacht: kopfüber auf einem Board die Sanddüne runter. Das hat viel Spass gemacht, vor allem weil der Sand feucht war und wir schneller gleiten konnten (weniger Reibung). Einige waren bedeckt von Sand und Matsch.

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Es war bereits Mittag und wir haben eine Pause in einer schönen Bucht gemacht. Dort konnten wir mit Ansehen, wie ein Auto im Strand stecken geblieben ist.

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Viele Menschen haben versucht zu helfen und bereits ein anderes Auto war bereit zum Abschleppen. Das Auto wollte das Boot (auf dem Bootanhänger) rausziehen, ist wohl jedoch mit dem vorderen linken Reifen in ein Loch gefahren. Das Wasser lief immer weiter auf und es wurde kritisch. Wenn ihnen nicht bald etwas einfällt, würden sie das Auto verlieren. Doch sie haben es irgendwie noch rausbekommen.

Nach der Stärkung und der spektakulären Rettungsaktion sind wir zum Cape Reinga gefahren. Cape Reinga wird häufig als nördlichster Punkt Neuseeland bezeichnet, das ist jedoch nicht korrekt. Der nördlichste Punkt ist das North Cape.
Cape Reinga ist für die Maori ein heiliger Ort, denn von den Toten wanderEnde die Seelen dorthin und dort entscheidet sich, ob sie auf der Erde bleiben oder in eine andere spirituelle Welt uebergeht.

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Am Cape Reinga trifft das Tasmanische Meer und der Pazifik aufeinander, was sehr spektakulär ist. Man kann sehr gut den Farb- und Strömungsunterschied erkennen. An windigen Tagen sollen die Meere gegeneinander peitschen. Auf dem Foto ist es ansatzweise zu sehen:

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Zurück nach Ahipara ging es über die Straßen (nicht am Strand wegen der Flut). Das Wetter wechselte schnell: anfangs Regen, später bewölkt, dann Nieselregen und abends Sonnenschein. Am Ende des Tages sind wir zufrieden im Campervan eingeschlafen.

Von dort sind wir am naechsten Tag nach Bay of Islands gefahren. Wir hatten die Wahl ob wir nach Russell fahren (sehr altes/ältestes Dorf mit alten Häusern) oder zu den Kawiti Glowworm Caves (Kawiti Glühwürmchenhöhle). Wir haben uns für die Glühwürmchen entschieden.

Als wir an der Höhle angekommen waren, wussten wir, dass das keine Massentourismusattraktion ist. Der Weg zur Höhle ist eine Schotterpiste und wir hatten eine Führung entspannt zu fünft: Führerin, ein älteres Paar, Mama und ich.

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Früher haben die Glühwürmchen, was eigentlich Larven sind, in den Wäldern gelebt, doch durch die Abholzung und den dadurch bedingten Verlust ihres Lebenraumes mussten sie in die Höhlen ausweichen.
Als Larve weben sie eine Art Hülle um sich und bilden Fangfäden aus, mit denen sie Insekten fangen. Mit ihrem fluoreszierenden Schwanz locken sie ihre Beute.
Nach einigen (bis zu 10) Monaten bilden sie ein Kokon und entpuppen sich als Mücke/Fliege. Innerhalb kürzester Zeit muss ein Partner gefunden werden, denn im Endstadium können sie keine Nahrung aufnehmen.
Es war eine sehr interessante Tour (keine Fotos erlaubt).

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Diese Nacht haben wir im Hinblick auf den nächsten Tag in Tutukaka verbracht. Das war die erste Nacht irgendwo an einer Bucht (sonst haben wir immer auf Campingplätzen geschlafen)

Am 28.01 sind wir bereits frueh am Tauchcenter gewesen.
Wir haben uns entschieden eine Tauch- (ich) und Schnorchel- (Mama) Tour zu buchen.
Unser heutiges Ziel war die Poor Knight Island, ein subtropisches Unterwasserparadis. Wer „Findet Nemo“ gesehen hat, erinnert sich möglicherweise an die Schildkröten, die im Ostaustralsrom Achterbahn gefahren sind. Diese Warmwasserströmung reicht bis zu den Poor Knight Inlands, was die Artenvielfalt bedingt. Die Unterwasserwelt war unglaublich, atemberaubend, umwerfend und unbeschreiblich. Diese Menge an bunten, kleinen und großen Fischen, auch Schwärmen (inklusive Phiranias) und Pflanzen habe ich bis jetzt nur in Katalogen gesehen. Ich kann diese Tagestour jeden empfehlen.

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Ausserdem waren wir in der wohl groessten Unterwasserhoehle weltweit (135 Meter lang).

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Es gab nur eine Sache, die naja, wie soll ich es ausdrücken, auf die ich gerne verzichtet hätte.  Meine Mama würde sagen, um nicht ins Detail gehen zu müssen: jeder verträgt eine Schiffahrt anders.
Wie auch immer, so schlimm war das nicht und die unvergesslichen 54 Minuten unter Wasser waren die besten, die ich jemals hatte (das Great Barrier Reef ist nichts im Vergleich zu dem!).
Mama war total begeistert und hatte sich bedankt, weil ich sie mehr oder weniger überzeugt und überredet hatte mitzukommen.

Am nächsten Tag haben wir in Auckland einige Besorgungen gemacht und später das Northland verlassen. So sah es ueberwiegend aus:

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Wie ist es so mit der Mutter zu reisen? Es ist sehr angenehm, weil wir aehnliche Vorstellungen haben. Wir vertragen uns gut, auch wenn ich mich nach 6 Monaten Ruhe wieder an eine muetterliche Ader gewoehnen musste. Einfacher Backpackerstil  trifft auf Ordnung…

Liebe Gruesse von uns beiden

Mareike

4 Kommentare zu „NZ: das Northland – der hohe Norden“

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